KommoTalk – Content-Krieg im WWW

Das Internet bietet viele Möglichkeiten zur Kommunikation. Heutzutage sind Unternehmen und andere Organisationen nicht mehr so stark wie früher auf die Berichterstattung der Massenmedien angewiesen, wenn sie eine Botschaft an ihre Zielgruppe kommunizieren möchten. Sie greifen dabei auf eine Reihe von Strategien zurück, um die Kanäle, die ihnen zur Verfügung stehen, für die PR zu nutzen. Wer qualitative Inhalte im Netz publiziert, hat meist höhere Chancen, die Aufmerksamkeit seines Publikums auf sich zu ziehen.

Allerdings vergessen wir dabei, dass die Methoden, die uns zu einer erfolgreichen Kommunikation verhelfen, nicht nur von uns genutzt werden können. Auch Terrororganisationen wie der IS machen davon Gebrauch. Zu diesem Thema referierte bei unserem letzten kommoTalk Sascha Stoltenow von der Agentur SCRIPT Communications. Der Kommunikationsberater bloggt bereits seit 2007 unter www.bendler-blog.de über Sicherheitspolitik und Militär und bringt hier seine Erfahrungen aus 12 Jahren Dienstzeit in der Bundeswehr ein.

Heutzutage ziehen nicht mehr nur die zwei gegeneinander kämpfenden Parteien ins Feld, sondern auch die Medien werden in den Kampf mit einbezogen und für die Propaganda genutzt. Zum Beispiel filmen Kamerateams das Geschehen mit, um die Inhalte dann über diverse Social-Media-Kanäle der Organisationen zu verbreiten. Terrororganisationen verwenden für ihre Propaganda ähnliche Motive, wie es gewinnorientierte Unternehmen tun. Unter anderem produzieren sie strategisch durchdachte Werbefilme zur Rekrutierung und versuchen, den Rezipienten zu überzeugen, sich der Organisation anzuschließen. Der Unwissende merkt dabei nicht, wie sehr die Kommunikation des IS von der Realität entkoppelt ist und somit ein ganz anderes Bild von der Situation vermittelt, als sie in Wirklichkeit ist. Herr Stoltenow ruft daher dazu auf, das Thema mit etwas mehr Distanz kritischer zu betrachten.

Eine Organisation ist eine Geschichte, die davon abhängt, wie viele sie weitererzählen. Besonders zu Zeiten des Web 2.0 kann jeder ohne große Hindernisse eigene Inhalte verbreiten. Botschaften können nicht mehr von den Massenmedien kontrolliert werden. Auch in unserer Gesellschaft gibt es hin und wieder Lücken oder Widersprüche in den Erzählungen der verschiedenen Organisationen, seien es Unternehmen oder andere Einrichtungen. Allerdings trägt unser freies Mediensystem dazu bei, diese Fehler früh aufzudecken. Der Kampf im Internet ist ein Kampf der Erzählung und dieser steht aufgrund des Aufkommens der digitalen Medien erst am Anfang. Die Frage ist, wie lange es Terrororganisationen noch durchhalten können, ihre Kommunikation von der Realität zu trennen.

Wir danken Sascha Stoltenow für den sehr spannenden Vortrag und den neuen Einblick in die Thematik.