Der Kreis der DAPR-Zertifizierten wächst – Interview mit Nils Hille zur Zertifizierung von Volontariats- und Trainee-Programmen

Seit Juli 2017 bietet die Deutsche Akademie für Public Relations (DAPR) ein Zertifizierungsprogramm für Volontariat- und Trainee-Ausbildungen. Dem ersten Zertifizierungspartner Volkswagen schlossen sich jüngst sieben weitere Unternehmen an: ABB, Aktion Mensch, GIZ, Kerl & Cie, Kresse & Discher, Microsoft und Voith. Zu den Voraussetzungen, weiteren Interessenten und den Vorteilen des Programms für Unternehmen und Bewerber stand uns Nils Hille, Geschäftsleiter der DAPR, Rede und Antwort.


kommoguntia:
Neben dem ersten Zertifizierungspartner Volkswagen haben sich nun noch sieben weitere Unternehmen zertifizieren lassen. Kommen die Unternehmen auf die DAPR zu oder müssen Sie aktiv die Unternehmen ansprechen?

Nils Hille: Das ist unterschiedlich. Ein Teil der Zertifizierten ist direkt nach der ersten Veröffentlichung auf mich zugekommen und hat erklärt, dass sie dabei sein wollen. Aber wir sprechen auch gezielt Unternehmen an und schlagen ihnen die Zertifizierung vor. Die ersten beiden Schritte der Verbreitung sind wir nun erfolgreich gegangen. Das Thema muss sich aber noch weiter in der Branche herumsprechen.

kommoguntia: Welche Standards muss ein Unternehmen für eine Zertifizierung erfüllen? Und warum haben Sie sich für genau diese Standards entschieden?

Nils Hille: Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Volontär oder Trainee eine faire Ausbildungszeit erlebt, in der sie oder er sich beruflich gut weiterentwickeln kann. Und in der auch der Arbeitgeber die Stärken des Nachwuchses individuell für sich erkennen und in seinem Team passend einsetzen und alle gemeinsam an den Schwächen arbeiten können. Daraus konnten wir dann sehr gut den Standard für eine DAPR-Zertifizierung ableiten. Hierzu zählen nicht nur organisatorische Voraussetzungen, wie unter anderem ein verbindlicher Ablaufplan, Einblicke in kooperierende Fachbereiche und den Redaktionsalltag, direkte Ansprechpartner, die mit den Volontären beziehungsweise Trainees auch regelmäßige Feedbackgespräche führen und ein Mindestdurchschnittsgehalt von 1.800 Euro brutto monatlich. Sondern auch die umfassende Wissensvermittlung mit mindestens 16 Fortbildungstagen muss gegeben sein. Hier müssen zentrale Kommunikationsthemen wie Strategie- und Konzeptionslehre, Medienarbeit sowie Text- und Digitalkompetenz vermittelt werden. Das ist eine ganz neue Qualität, denn sonst lernen Volontäre und Trainees häufig leider nur das, wofür sie gerade dringend gebraucht werden. Wer sich dann später weiterentwickeln wollte oder musste, der war sehr eingeschränkt. Nach einer Ausbildung bei einem zertifizierten Arbeitgeber sind vielfältige Karrierewege möglich.

kommoguntia: Gibt es einheitliche Kriterien, welche Voraussetzungen ein studentischer Bewerber erfüllen muss, oder können die Unternehmen weiterhin selbst entscheiden, worauf sie Wert legen?

Nils Hille: Nein, denn wir möchten uns von der DAPR auch gar nicht in die zu Recht individuelle Auswahl der Bewerber einmischen. Diese liegt somit auch bei den Zertifizierten weiterhin rein auf Arbeitgeberseite.

kommoguntia: Welchen Mehrwert bietet die DAPR-Zertifizierung für Unternehmen und welchen für Volontäre?

Nils Hille: Die Volontäre erleben eine hochwertige, faire Ausbildung on the job, in der sie sich ausprobieren und Erfahrungen sammeln können. Sie erhalten dabei wertvolle Einblicke in unterschiedliche Aufgabenbereiche und können so später einschätzen, in welche Richtung sie sich beruflich weiterentwickeln möchten.

Die Unternehmen positionieren sich mit der DAPR-Zertifizierung als guter Arbeitgeber, der wirklich an dem Nachwuchs und seiner Weiterentwicklung interessiert ist. Sie machen positiv auf sich aufmerksam und stechen aus der Masse, in der viel Wildwuchs herrscht, hervor. So können sie die Bewerbungen der besten Nachwuchskräfte erhalten.

kommoguntia: Warum gibt es eine solche Zertifizierung erst seit diesem Jahr? War das in Anbetracht der rasant wachsenden Kommunikationsbranche nicht schon längst überfällig?

Nils Hille: Ich bin auch überrascht, dass die Volontärs- und Traineeausbildung in der Kommunikationsbranche bisher so uneinheitlich ohne Standards ablief. Im Journalismus, aus dem ich ursprünglich komme, ist das doch in großen Teilen deutlich besser geregelter, wohl auch durch die großen Medienhäuser. Umso wichtiger ist es, dass wir dieses Thema nun auch für den Kommunikationsnachwuchs angegangen sind. Nur gemeinsam mit Ihnen und Ihren Kommilitonen können wir diese Initiative voranbringen. Als angehenden Volontäre und Trainees sollten Sie im eigenen Interesse verbindliche Rahmenbedingungen einfordern und nur dort Ihre Ausbildung nach dem Studium anfangen, wo der Arbeitgeber sich zu hohen Qualitätsstandards auch zumindest Ihnen gegenüber verbindlich bekennt.

kommoguntia: Gibt es bereits weitere Interessenten für eine Zertifizierung?

Nils Hille: Ja, die gibt es. Wir sind momentan mit mehreren Arbeitgebern in Gesprächen, freuen uns aber genauso über jeden weiteren Interessenten. Gerade auf Agenturseite sollte da eigentlich noch einiges möglich sein. Alle erfolgreich Zertifizierten geben wir gerne als Empfehlung an Studenten wie Sie weiter, veröffentlichen wir über unsere Medien und werden in eine zentrale Online-Datenbank einfließen, die im kommenden Jahr entstehen und für Studenten als zentrale Plattform auf der Suche nach guten Arbeitgebern fungieren soll.

Wir bedanken uns herzlich bei Nils Hille für das Interview. Von uns gibt es einen Daumen hoch für das Zertifizierungsprogramm und wir sind gespannt, welche weiteren Unternehmen diese Möglichkeit in Zukunft für sich entdecken. 

Weitere Informationen zum Programm gibt es hier: www.dapr.de/zertifizierung/