Wir haben eine kleine Zeitreise erlebt: Martin Eich, Gründungsmitglied von kommoguntia, erzählt uns von Trial and Error, einer Zukunft für seinen Sohn und der korrekten Aussprache des Vereinsnamens. Und all das im Rahmen eines interessanten und spannenden Alumni-Talks.
Martin Eich ist wahrscheinlich nicht den standardmäßigsten, offensichtlichsten, go-to Weg zu seiner aktuellen Position gegangen. Erst Realschule, dann Abitur und eine Bankausbildung. Auf diesem Weg hat er gemerkt: Kommunizieren, das liegt mir offensichtlich. Dafür hat er seine Heimat Mainz verlassen und Kommunikationswissenschaft in der Fahrradstadt Nummer 1 – Münster – studiert. Für den Master hat es ihn aber doch wieder zurück zu uns nach Rheinhessen verschlagen, in den damals noch sehr jungen Studiengang der Unternehmenskommunikation.
Als erster Jahrgang waren die Strukturen und Abläufe noch nicht wirklich gefestigt und ein kleines Bisschen Chaos war vorprogrammiert. Das bedeutete an einigen Stellen eine gute Ladung Trial and Error. Und schon hatte man den perfekten Boden für eine nun schon 12 Jahre andauernde Idee: Man kann doch eine eigene Studenteninitiative gründen. Ganz nach dem Motto: Mutig sein. Dem Studium fehlte noch der direkte Praxisbezug, die Unternehmen waren am Kontakt zu motivierten Nachwuchskräften interessiert. Also stand kommoguntia nur eine Sache im Weg: Die deutsche Bürokratie. Zum Glück hat der Verein diese Herausforderung angenommen und überstanden. Und jetzt sitzt Martin Eich bei seinen Nachfolgern zum Alumni-Talk und ist glücklich, dass der Verein es dauerhaft geschafft hat. Auch wenn das neue Logo für ihn etwas gewöhnungsbedürftig ist.
Der Weg über die Ausbildung zum Studium war für Martin Eich genau der richtige. Viele Praxisbezüge konnten schon von Beginn an ins Studium mit einbezogen werden und einer Art „Realitätscheck“ unterzogen werden. Denn alles wird im Studium auch nicht vermittelt, was es später im beruflichen Alltag bedarf. Trotzdem ist die Zeit an der Universität von unschätzbarem Wert, um sich selbst zu finden. Der klare Rat vom Alumni: Nicht nur in Regelstudienzeit durchprügeln, sondern auch fachlich und persönlich reifen. Den Blick nach rechts und links nicht vergessen.
Von der Uni ging’s ins Saarland zur Versicherung Cosmos Direkt als Online-Redakteur. Und wieder führte der weitere Weg ihn wieder zurück nach Mainz, als Leiter Unternehmenskommunikation zur damaligen Mainzer Volksbank. Neben seiner Tätigkeit als Pressesprecher hat er dort über die Jahre den Bereich Nachhaltige Entwicklung aufgebaut und widmet sich seit Kurzem komplett dem Thema Nachhaltigkeit. Warum die Abkehr von der Kommunikation? Ist es gar nicht, denn Nachhaltigkeit in seiner komplexen Themenvielfalt braucht besonders viel Kommunikation in Form von Wissenstransfer, Dialog und Change-Kommunikation. Auch hier kommt der ursprüngliche Rat aus Unizeiten wieder zur Geltung: Mutig sein und den Blick nach rechts und links nicht vergessen. Bei seiner jetzigen Aufgabe muss Martin Eich sich permanent auf neue regulatorische Anforderungen einstellen, komplexe Themenstellungen verstehen und immer wieder bestehende Strukturen hinterfragen. Entscheidungsfreude und Lust auf den sprichwörtlichen „Sprung ins kalte Wasser“ inklusive. Dafür bringt es großen Gestaltungsspielraum mit sich. Auch wenn er dadurch nicht allein die Welt retten kann, versucht Martin Eich privat und beruflich zu bewegen. Seine Motivation: „Ich arbeite daran, dass mein Sohn eine lebenswerte Zukunft hat“.
Auch über der Kommunikationsbranche steht die Frage der Nachhaltigkeit bzw. der Zukunftsfähigkeit. Wie über die Herausforderungen des Klimawandels reden? Werden Kommunikatoren in der jetzigen Form noch gebraucht und welchen Einfluss haben Technologien wie künstliche Intelligenz? Wenn es nach Martin Eich geht, wird die Kommunikationsbrache immer genug zu tun haben. Durch das Internet hat Meinung eine sehr präsente Rolle bekommen. Die Medienlandschaft muss daher in besonderem Maße ihrer neutralen und erklärenden Rolle gerecht werden, und das bei zunehmend wirtschaftlichem Druck.
Martins Wunsch an die zukünftige Generation der Kommunikatoren: Auch mal unbequem sein. Nicht einschüchtern lassen, hinterfragen, reden. Mutig sein. Man muss sich auch mal eine blutige Nase holen, damit Themen nicht nur an der Oberfläche behandelt werden und am Ende auch etwas bewegt werden kann.
Zum Abschluss konnte Martin Eich noch eine grundlegende Frage zum Vereinsnamen kommoguntia beantworten: Richtig spricht man es kommoguntzia aus, ähnlich wie in Nation, rational oder Fraktion.
Geschrieben von Frederick Dustmann.


