„Der neue heiße Scheiß der Kommunikation – digitale Trends im Jahr 2019“ 6 Fragen an Tapio Liller

Welche digitalen Trends warten im Jahr 2019 auf uns? Und was können wir als Kommunikatoren noch von Steve Jobs lernen?

Diese Fragen bekamen wir von der PR-Agentur Oseon beantwortet. Zum Auftakt des Jahres 2019 haben wir Tapio Liller und Anita Haak zu uns nach Mainz eingeladen.  In gemütlicher Runde sprachen wir über die Themen Innovation, Digitalisierung sowie Technologie, und bekamen dabei viele Einblicke in eine zukunftsorientierte Kommunikation.

Im Anschluss stand uns Tapio Liller bei unseren Interviewfragen Rede und Antwort.

Ist es sinnvoll am Anfang eines Jahres digitale Trends festzulegen, oder sogar Erfolge/Misserfolge verschiedener Technologien zu prognostizieren?

Es kommt drauf an für wen. Für Zukunftsforscher, Analysten und Berater aller Art sind die alljährlichen Trendlisten ein Weg sich ins Gespräch zu bringen, also vor allem Eigen-PR. Viel interessanter als Vorhersagen à la „dieses Jahr wird TikTok den Durchbruch im Consumer-Marketing erleben“, finde ich die Frage, was neue Technologien mit den Menschen machen. Wie verändern sie ihr Verhalten, ihr Zusammenleben, ihre Kommunikation? Das sind sehr viel langfristigere Entwicklungen, die aber für Kommunikationsstrategen sehr relevant sind.

Warum neigen wir Menschen dazu, uns am Anfang eines Jahres bereits Gedanken zu machen, was am Ende des Jahres sein wird?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wir brauchen Sicherheit und Verlässlichkeit, da ist jede Veränderung ein Störfaktor. Prognosen und Pläne sind ein Weg, diesen Störfaktor zu minimieren und uns vorzugaukeln, alles sei unter Kontrolle. Das kommt aber in einer hypervernetzten, komplexen und sehr volatilen Welt, wie wir sie heute haben, schnell an seine Grenzen. Deshalb wird seit einigen Jahren auch soviel über Agilität gesprochen. Man stellt sich drauf ein, dass nichts bleibt wie es ist – auch die Entscheidung von heute nicht.

Was sind die Risiken, oder auch Gefahren, einer Prognose über die Zukunft?

Man kann immer daneben liegen. Das ist sogar wahrscheinlicher, als richtig zu liegen. Das muss man aushalten können.

Was müssen Agenturen in Zukunft verstärkt etablieren, um sich abzusetzen oder für Kunden noch attraktiver zu machen?

Kommunikationsagenturen stehen längst mit anderen Unternehmen im Wettbewerb um die besten Talente. Ein Weg, sich als Arbeitgeber abzuheben ist, sich über den eigenen Daseinszweck – oder „Purpose“ – klarzuwerden. Das heißt, deutlich zu machen, WARUM man für welche Art von Unternehmen oder Themen arbeitet. Das Konzept des Purpose stammt vom Autor und Unternehmensberater Simon Sinek, der sagt: „People don’t buy what you do, the buy why you do it.“ Es geht um einen emotionalen Bezug zum eigenen Tun im Job. Oder für Auftraggeber eben um ein gemeinsames Verständnis von den Werten, nach denen man handelt und seine Kommunikation ausrichtet.

Eine These, die Du uns für unseren Teaser auf Facebook geschickt hattest, besagte, dass wir Kommunikatoren noch einiges von Steve Jobs lernen können. Kannst du bitte kurz erklären, was Steve Jobs‘ Kommunikation so erfolgreich gemacht hat?

Steve Jobs hat schon bei seiner Rückkehr zu Apple Mitte der 1990er Jahre klar gemacht, wie wichtig ein robustes Wertegerüst für die Marke ist. Deshalb war eine seiner ersten Amtshandlungen damals nicht etwa ein neues Produkt, sondern eine Werbekampagne, die dem Publikum eindrucksvoll zeigte, wofür Apple steht. Wer das mit seinen eigenen Worten hören will, muss nur bei YouTube „Steve Jobs on Marketing“ suchen (hier). Die „Think Different“-Kampagne ist da meines Erachtens wegweisend und war seiner Zeit voraus.

Unternehmen, Agenturen und die PR-Branche als solche, müssen in Zukunft einige neue Aspekte verstärkt beachten. Wie sieht es mit uns Nachwuchskräften aus? Was sind die Trends 2019 beim Einstieg in den Job?

Ich will Studierende und AbsolventInnen dazu ermutigen, bei möglichen Arbeitgebern aktiv nach deren Purpose zu fragen. Hakt nach, nach welchen Werten eine Organisation handelt, welche Rolle sie als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Akteur einnimmt und wie sie sich zu den Fragen verhält, die euch persönlich wichtig sind. Und lasst euch nicht von Selbstbeschreibungen und Eigenlob des Managements blenden. Sprecht auch mit den Mitarbeitern, euren künftigen Kolleginnen und Kollegen. Die werden euch ein sehr viel authentischeres Bild vom Alltag im Job geben. Ansonsten: Bleibt neugierig!

Vielen Dank an Tapio Liller und Anita Haak für den interessanten und spannenden Vortrag, und den schönen Abend. Wir hatten sehr viel Spaß und hoffen, dass wir noch viele weitere Events mit Oseon erleben dürfen!

Das Interview führte Michelle Huppertz